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Auf Messers Schneide: zwischen Schuld und Reflexion?

Oder – Die Meisterschaft des Lebens:

Verantwortung für sein Leben übernehmen

 

( Da ich mich nicht entscheiden konnte, welche Überschrift ich nehme, habe ich mich einfach für alle entschieden 😉 )

 

Wir alle kennen den Satz, spätestens seit unserer Jugendzeit: „Übernimm endlich Verantwortung.“ Und ich glaube, viele Menschen, können eben genau diesen Satz nicht mehr hören. Gehe arbeiten, verdiene Dein eigenes Geld, übernimm Verantwortung, etc..

Auch mir ging es so. Allein bei dem Wort, stellten sich mir schon die Nackenhaare auf. „Natürlich übernehme ich Verantwortung“, höre ich mich oft sagen.

Ja, das habe ich oft und in vielen Situationen auch getan. Ich habe Fehler eingestanden und vieles mehr. Doch seit Wochen gehe ich nun mit diesem Thema in einer neuen Tiefe ’schwanger‘ und viele Momente saß ich vor meinem Laptop und wollte etwas zu dem Thema schreiben. Doch da kam: nichts. Also überlegte und meditierte ich weiter.

Das Leben ist ja sehr nett 😉  und servierte mir plötzlich so viele Aha-Erlebnisse, dass ich sie im Nachgang noch nicht einmal mehr aufschreiben kann. Denn plötzlich zog sich das Wort Verantwortung, wie ein roter Faden durch mein Leben. Von früh bis spät. In Gedanken, Worten und Taten. Und das meine ich jetzt auch so wortwörtlich, wie es hier steht.

Und ja, auch mitten in der Nacht; während meiner Monatsblutung; bei Telefonaten. Einfach in den augenscheinlich unbedeutendsten Momenten. Sie war immer da: die Verantwortung. Doch nicht als Last, sondern als Erkenntnis.

Mir wird allmählich gewahr, was Verantwortung tatsächlich ist. Und ich bin davon überzeugt, dass ich noch immer noch an den oberen Zwiebelschichten kratze. Ich weiß, dass dieses Thema noch tiefer geht. Doch ich möchte hier und jetzt zunächst einmal mit dem Status quo anfangen, den ich auch in Worte fassen kann. Für viele tiefere Schichten, fehlen mir die Worte derzeit. Ich kann sie nur für mich erspüren. Ein jegliches hat seine Zeit.

Im Internet fand ich folgendes zu dem Thema (Wikipedia lasse ich hier außen vor; Du kannst selbstverständlich gerne selber durch das Netz zu dem Thema lesen):

VERANTWORTUNG

Substantiv [die]

1. die Pflicht, dafür zu sorgen, dass (in bestimmten Situationen) das Notwendige und Richtige getan wird und kein Schaden entsteht.

2. die Verpflichtung, für seine Handlungen einzustehen und ihre Folgen zu tragen.

3. das Bewusstsein, Verantwortung zu haben.

 

Ich möchte mich bei dem Thema gerne von außen nach innen vorarbeiten 😉

Daher fange ich mit Selbstverständlichkeiten an, wie sie, wie ich finde,  jeder Mensch praktizieren sollte:

Stehe ich in Verantwortung, wenn ich sehe, wie ein Mensch, zum Beispiel durch Dritte, zu Schaden kommt? JA. Und das heißt nicht, dass ich mich selber in Gefahr bringe. Doch ich kann zum Telefon greifen und zum Beispiel die Polizei rufen. Ich kann umstehende Mitmenschen auf die Situation aufmerksam machen und gemeinsam können wir etwas tun.

Trau Dich! Sei mutig. Und das Wählen der Notrufnummern, ist ein wichtiger und großer Teil in der Gesellschaft, Verantwortung zu übernehmen. Achte auf Dich. Bringe Dich nicht in Gefahr. Es kommt immer auf die Situation an. Lerne, Dich einzuschätzen und fange an, das Leben um Dich herum bewusst wahrzunehmen. Da gibt es so viel zu sehen und zu unterstützen. Schaue nicht weg. Siehe hin. Und tue etwas! Übernimm Verantwortung für den Bereich, wo Du es sicher tun kannst.

 

Durch meine Arbeit an Schulen, bin ich im ständigen Kontakt mit Eltern. Auch hier stelle ich u. a. in den letzten Jahren fest, dass sich vieles in unserer Gesellschaft gewandelt hat. Ich werde hierzu noch einen Extrablog schreiben und auch auf die Ursachen und Wirkungen eingehen, doch das Thema ist mir so wichtig, dass ich es hier schon gerne kurz anbringen möchte:

Viele Kinder werden am Morgen abgehetzt zur Schule gebracht. Noch nichts im Magen, den Ranzen halb aus dem Pkw gezerrt und die Jacke hängt nur an einem Arm, weil am anderen der Ranzen hängt. Hektik und Panik ist in den Gesichtern der Kinder und Eltern zu sehen, zu spät zu kommen. Die Verantwortung für das eigene, in die Welt gesetzt Kind, wird zwangsweise am Schultor abgegeben. Die Lehrkräfte übernehmen die weitere Verantwortung. Die Eltern holen müde nach einem Arbeitstag, das Kind ab. Im Gepäck des Geistes und der Gefühle, den eigenen Tag, Befindlichkeiten, Sorgen, Nöte und vielleicht auch Ängste.

Mir tun sie alle wirklich leid: Die Kinder, die Eltern und auch die Lehrer. Hier muss dringend etwas geschehen. Es bleiben bei diesem Modell alle auf der Strecke. Und am allermeisten die Kinder. Und dieses ist ein super Beispiel, für das Thema Verantwortung: In wie weit, bin ich als Eltern bereit, mich dem Diktat der Gesellschaft zu unterwerfen, um dies alles mitzumachen? Ist das die Übernahme von Verantwortung meinem Kind gegenüber? Doch das Thema ist so vielschichtig, dass ich es hier bei belassen möchte und auf einen späteren Artikel verweise. Verstehe mich bitte richtig: Es geht nicht darum, den Eltern die Schuld zu geben. Es geht hier einzig und allein um Verantwortung. Mir ist durchaus bewusst, dass ich hier ein großes Fass aufmache und sich einige angegriffen fühlen könnten. Doch vielleicht ist dies eine Möglichkeit, sich zu fragen: Möchte ich das wirklich so, wie es jetzt gerade ist?“ Und mit dieser Frage, beende ich das Thema Kind und Schule jetzt auch.

 

Bin ich schuld, wenn ich krank bin? Nein, selbstverständlich nicht. Es geht nur um Verantwortung. Doch wenn ich etliche Warnsysteme meines Körpers ignoriere und er zeigt sich dann irgendwann einmal sehr deutlich, kann ich mit der Zeit lernen, früher auf meinen Körper zu hören. Ich übernehme die Verantwortung für meinen Gesundheitszustand in dem Maße, wie es eben möglich ist. Wenn ich erkältet bin und einfach weitermache wie bisher, brauche ich mich nicht wundern, wenn ich eines Tages mit Grippe und Fieber im Bett liege. Wenn ich eine Erkältung verschleppe, brauche ich mich nicht wundern, wenn mir diese einige Wochen später auf mein Herz schlägt. Wenn ich viel von dem esse, was meinen Körper nicht unterstützt, brauche ich mich nicht wundern, wenn ich zum Beispiel eine Fettleber bekomme. Meine Blutwerte schlecht sind. Mein Magen rebelliert. Oder oder oder.

Doch es gibt auch Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir nicht verstehen. Auf die wir keinen Einfluss haben. Und die sind mitunter tragisch.

 

„Geh Du vor“, sagte die Seele zum Körper, „auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf Dich.“

„Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für Dich haben“, sagte der Körper zur Seele.

Ulrich Schaffer, (*1942), Fotograf und Schriftsteller

 

Ich kann auch all das tun, was ich möchte. Doch die Verantwortung dafür und die Konsequenzen, trage ich.

Mein Lieblingssatz:

„Ich kann tun und lassen, was ich will. Doch ich habe auch für alles tun und lassen, die Verantwortung zu übernehmen.“

 

In dem Maße, wie ich Einfluss nehmen kann. Ich kann Einfluss nehmen auf mein Leben. Das ist etwas, das viele Menschen nicht verstehen. Sie fühlen sich fremdbestimmt. Dem Leben ausgeliefert.

„Fühlst Du Dich in die Welt hineingeboren oder in sie hinein geworfen?“

Doch wir sind dem Leben nicht ausgeliefert. Es ist viel leichter: Wir können uns unser Leben kreieren. Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, etwas Neues zu lernen, umzusetzen, zu tun. Es ist so präsent, dass wir teilweise gar nicht wissen, wie wir mit so viel neu gewonnener Freiheit umgehen sollen.

 

Bin ich verantwortlich dafür, wie ich schlafe? Du kannst vieles für einen guten Schlaf tun. Zum Beispiel mindestens eine halbe Stunde vor dem zu Bett gehen, kein TV oder Smartphone etc. schauen. Mindestens zwei Stunden vor dem zu Bett gehen, nichts mehr essen. Keinen übermäßigen Alkoholkonsum, dass Schlafzimmer abdunkeln, vorher gut durchlüften und natürlich: für ausreichend Gedankenhygiene sorgen. Gehst Du mit schlechter Laune oder Sorgen ins Bett? Hm, die Wahrscheinlichkeit, dass sich über Nacht alles in Luft auflöst, ist leider und meist, relativ gering 😉 Manches Mal, mag dies gelingen. Mit welcher Stimmung gehst Du ins Bett? Kannst Du friedlich einschlafen? Auch hier geht die Thematik so tief und in das eigene Leben hinein, dass ich das Thema nur anreiße. Nach erfolgten Beratungen, kann so mancher Schnarcher und ‚Nichtdurchschläfer‘, sich über anschließend ruhigere Nächte freuen 😉 Und natürlich: es gibt auch Menschen, die können von allem genau das Gegenteil tun und trotzdem wunderbar schlafen, gute Blutwerte haben, sich gesund fühlen etc..

 

Doch was ist mit den Gefühlen? Bin ich verantwortlich dafür, wie es mir geht? Ja, selbstverständlich.

Ein Satz von Karl Valentin:

„Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

 

Ich finde, dieser Satz drückt einfach und klar, die Verantwortung für unserer Gefühlswelt aus.

Mache ich meine Mitmenschen für meine Gefühle verantwortlich? Viele tun es und selbstverständlich geschieht mir dies auch manches Mal: ‚XY war doof zu mir, deshalb bin ich jetzt beleidigt oder was auch immer.‘

Das Gefühl zu erkennen, ist ja schon mal echt gut. Einen Schritt weiter geht es dann mit der Frage, weshalb ich beleidigt bin. Warum habe ich so reagiert? Welcher Teil in mir fühlt sich angegriffen und geht in den Verteidigungsmodus bzw. ‚beleidigt sein Modus‘? Wenn ich für diesen Zustand die Verantwortung übernehme, ist echtes Wachstum garantiert.

Wenn ich über etwas weine und den Grund in mir spüre, mir eingestehe, wieso weshalb warum das jetzt so ist, und dies auch anerkenne, übernehme ich die Verantwortung für mich und mein Gefühl. In dem Moment, in dem ich genau dort bin, kann ich einfach weinen, ohne in Gefühlsduselei zu versumpfen.

 

Wenn mich jemand beleidigt, ist dies seines. Doch es ist meines, wie ich darauf reagiere.

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“

Viktor Frankl (1905 – 1997)

In dem Moment, in dem ich mir dessen gewahr bin, habe ich tatsächlich die Wahl zu agieren und nicht zu reagieren. In genau diesem Moment, in dem ich dieses bei dem anderen lasse und die Verantwortung für mich übernehme, kann ich wählen. Und dies hat überhaupt nichts damit zu tun, mir etwas gefallen zu lassen. Doch ich habe die Verantwortung für meinen Gefühls- und Geisteszustand. Und kein anderer. Und wenn ein anderer meinen Frieden stört, habe ich die Verantwortung dafür, wie ich mit mir in Zukunft umgehen lasse.

Lasse die Übernahme Deiner Verantwortung für Dein Leben, Deine Heilung sein.

 

 

Ich wünsche Dir von Herzen eine gesegnete Weihnachtszeit im Kreise Deiner Lieben.

Alles Liebe für Dich,

Sanja Tuwet

 

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