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Die Geschäftigkeit der Frauen oder: lasse ich mich um meiner selbst lieben?

Eines Morgens stand ich vor einer Grundschule. Einige Mütter liefen an mir vorbei. Die Kinder waren größtenteils schon in der Schule und davor trafen sich einige Mütter zum Austausch.

Zwei Mütter mit jeweils einem kleinen Hündchen an der Flexileine, liefen in meine Richtung und blieben bei mir stehen. Wir grüßten uns, tauschten einige Höflichkeiten aus und eine der Beiden sagte, dass sie jetzt nach Hause gehen muss. Denn es steht der wöchentliche Hausputz an. Sie sagte dies lachend und ich fiel in ihr Lachen mit ein.

Die andere Mutter, deren Hündchen sich lauthals über andere Menschen und Hunde beklagte und wohl Kängurufleisch zum Frühstück bekommen hat 😉 blieb wie angewurzelt stehen und ihr Gesicht erstarrte kurzfristig. Die Mutter mit dem Känguruhündchen teilte uns mit ernstem Gesicht mit, dass einmal die Woche bei ihr ja viel zu wenig sei. Sie hat Kinder und mit dem Hund im Haus, muss sie jeden Tag saugen. Manchmal sogar zwei Mal. Außerdem hat sie einen Mann und es muss ja sauber sein, wenn die Kinder und der Mann nachmittags / abends von der Schule und der Arbeit nach Hause kommen. Und einkaufen und kochen muss sie auch noch. Und einmal die Woche ist ihr viel zu wenig. Das geht überhaupt nicht. Und der Hund muss ja auch noch zwischendurch raus. Die andere Mutter teilte mit, dass ihr das viel zu anstrengend sei. Es ist bei ihr sauber und das reicht ihr. Und sie lebt in einer Wohnung / Haus und nicht in einem Museum. Weiter vertiefen möchte ich das Gespräch hier nicht. Diese Frau hat mein tiefstes Mitgefühl. Und ich weiß, dass viele Frauen so ticken.

Doch eines noch: die Mutter mit dem Känguruhund sprach einen ganz entscheidenden Satz und bei diesem horchte ich auf und entschied mich, diesen Blogartikel zu schreiben. Denn der Satz, den sie aussprach, sagen viele Frauen immer noch viel zu häufig und ist, so glaube ich, typisch für viele Frauen.

Sie sagte:

„Außerdem weiß ich ja nie, ob nicht mal unangemeldet Besuch klingelt

und dann muss ja alles sauber und ordentlich sein.“

 

Was sind viele Frauen sich wert, dass sie glauben, dass der Besuch, wegen der Sauberkeit zu Besuch kommt und nicht, um ihrer selbst willen?

Warum sind so viele Frauen damit beschäftigt, vor Besuchen alles so perfekt zu arrangieren, dass diese, wenn die Gäste dann da sind, überreizt, erschöpft und müde sind? Da wird noch die Deko umgeräumt, schnell durchgesaugt, vielleicht noch fix das Fenster geputzt, gebacken und Staub gewischt.

Ist es wirklich das Argument: Damit der Gast sich wohlfühlt??? Aus Respekt und Dankbarkeit, dass Besuch kommt, vorher noch alles ‚schön und sauber‘ zu machen?

Ist es so schwer vorstellbar, dass Gäste kommen, um DICH zu besuchen? Das Besuch kommt, weil dieser DICH mag? DICH besuchen möchte? Zeit mit DIR verbringen will? Für DICH da sein möchte? Glaubst Du wirklich, Dein Besuch hätte Dich weniger gern, wenn Dein zu Hause nicht perfekt in ‚Glanz und Gloria‘ erscheint?

Ich glaube: Nein.

Kannst Du Dir vorstellen, vielleicht sogar erlauben zu denken, dass der Besuch für DICH da ist? Einfach, weil er Dich gerne hat? Weil Du ein wunderbarer Mensch bist? Vielleicht kannst Du gut hinhören, lustige Geschichten erzählen, bist besonders einfühlsam oder jederzeit für andere da.

Kannst Du Dir dann erlauben, dass andere nur für Dich in dem Moment da sind?

Schwer, oder?

Viele Frauen sind häufig so in der Geschäftigkeit des Tages involviert, dass sie sich selber gar nicht mehr spüren. Da ist es dann leichter, sich an der Oberfläche zu verlieren. Vielleicht ist es auch so, dass einige Frauen sich dadurch versuchen, unentbehrlich zu machen. Wenn Frauen sich unentbehrlich machen, fühlen sie sich ‚gebraucht‘ und vor allem: sicher. Viele Frauen denken, wenn ich mich unentbehrlich mache, sorge ich indirekt für Sicherheit. Viele Frauen können es sich nicht vorstellen, um ihrer selbst geliebt zu werden. Viel zu viele Frauen glauben noch immer, dass sie etwas leisten müssen, um geliebt zu werden. Und wenn es der Haushalt ist. Bis zur Selbstaufgabe. Nichts schenkt uns mehr Sicherheit, als das Gefühl, gebraucht zu werden.

Das finde ich sehr schade. Denn: was soll denn mal auf dem Grabstein stehen? Vielleicht mag Dir das jetzt zu krass erscheinen, doch was würdest Du vorziehen, nur mal so als Beispiel: ‚Sie wusste das Leben zu genießen‘ oder ‚Sie sorgte immer für perfekte Sauberkeit‘?

Ich überziehe das jetzt ganz bewusst. Damit viele Frauen da draußen aufwachen und beginnen, ihr Handeln zu hinterfragen. Natürlich werden die beiden Sätze auf keinem Grabstein stehen. Doch manchmal hilft es für die eigene Erkenntnis, sich mal mit diesen Dingen auseinanderzusetzen. Oder eben zusammenzusetzen, um sich einiger Dinge klar zu werden.

Erkenntnis schafft Freiheit

 

Wenn Frauen es wieder schaffen, jeden Tag in sich hinein zu spüren, sich zu fragen, was will ich jetzt, und sei es nur die nächste eine und vielleicht einzige Stunde des Tages, die frei ist von Verpflichtungen: es würde vielen Frauen sehr viel besser gehen. Was Du in dieser Stunde für Dich tust, ist unerheblich. Na gut, putzen wäre jetzt irgendwie kontraproduktiv 😉 Wenn Du später aus Deinem Hamsterrad heraus bist, kann es allerdings durchaus sein, dass Du Dir sagst, hej, ich habe eine Stunde Zeit und habe gerade richtig Lust zu putzen. Alles gut. An den Eimer und los 🙂

Doch gerade am Anfang ist es wichtig, dass es Dinge sind, die Dich nähren, Dich unterstützen. Du kannst in dieser Stunde alles tun, was Du möchtest: Yoga, tanzen, Kaffee trinken, ein Bad genießen, einen Spaziergang, in Pfützen hüpfen, ein tolles Buch lesen, alte Bilder ansehen. NUR: tue dies.

Abraten würde ich Dir von Fernsehen, Klatsch und Tratsch mit der Nachbarin, kochen, Internet und einkaufen. Warum? Weil dies kaum Sachen sein dürften, die Dich wirklich nähren. Zumindest zu Beginn Deiner Umstellung für Dich. Und darum geht es. Es ist wichtig, dass wir Menschen wieder Dinge tun, die uns förderlich sind. Die uns Energie geben. Die uns Freude bereiten 🙂

Je mehr Dinge wir tun, die uns Freude bereiten und uns dabei unterstützen, unsere Verbindung wieder zu uns aufzubauen, desto leichter fällt uns auch der Alltag. Das Leben. Und ganz ehrlich: warum sind wir hier, wenn wir keine Freude haben? Los. Geh‘ raus und tanze 🙂  Stell Dir vor, der einzige Grund zu leben ist, Freude zu verbreiten. Das geht am besten, wenn wir selber Freude in unserem Leben haben. Und damit können wir sofort beginnen. Schritt für Schritt! Der Weg ist das Ziel! Und jede Stunde, die wir bewusst mit uns verbringen und die uns Freude bereitet, erfüllt uns so sehr, dass wir in unserem Umfeld viel mehr Freude und Leichtigkeit versprühen können.

Vielleicht denkst Du jetzt: Die hat gut reden. Keine Kinder, kein Hund. (Hatte ich mal alles 😉 )

Ja. Mag sein. Doch Ausreden gibt es immer. Und es gibt verdammt gute Gründe, etwas für Deine Freude in Deinem Leben zu tun: Du selbst. Und wer wirklich will, findet Wege. Und keine Ausreden, weil etwas nicht geht. Sehe nicht das große Ziel, welches Dir unerreichbar erscheint. Schaue einfach jeden Tag und beginne bei einer halben Stunde. Die hast auch DU!

 

Erlaube Dir, dass Menschen zu Dir kommen, weil sie DICH mögen.

Erlaube Dir, dass Menschen Dich mögen, weil Du einfach DU bist. Um Deiner selbst willen.

 

Von Herzen wünsche ich Dir die Erkenntnis, dass Du wunderbar bist, wie Du bist, dass Menschen Dich schätzen, weil Du so bist wie Du bist und dass Du es Dir wert bist, Zeit für Dich zu haben und Freude im Leben zu verbreiten; auch in Deinem eigenen 😉

 

Wenn Du Unterstützung benötigst, bin ich gerne für Dich da. Schreibe mir einfach an info(at)sanjatuwet.com. Ich freue mich auf Deine Email.

Alles Liebe für Dich,

Sanja

 

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