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Verletzlichkeit – oder: weg mit den Mauern: warum es sich lohnt, verletzlich zu sein

Ist Verletzlichkeit unsere neue Stärke?

Diese Frage fiel mir letztens in meiner täglichen Meditation ein. Hm. Ich räume ein, dass mich das Thema Verletzlichkeit bereits seit einiger, sogar langer Zeit begleitet. Und die Frage, ob Verletzlichkeit unsere neue Stärke ist, wandelte sich zügig in eine Aussage:

Verletzlichkeit ist meine neue Stärke.

Gilt das auch für Dich? Ist Verletzlichkeit unsere neue Stärke?

Verletzlichkeit ist meine neue Stärke: Ich sprach dieses ein paar Mal laut aus um zu spüren, wie es sich anspürte.

DAS hätte ich nicht erwartet. Da war kein zicken, kein Unwohlsein, keine Angst. Nein. Es war ganz anders. Es war, als öffneten sich riesige, ungeahnte Räume, in die ich blicken konnte. Räume, die plötzlich da waren und nur darauf gewartet hatten, sich zu zeigen. Wow. Und noch etwas. Es huschte etwas über mein Gesicht. Was war das???? Bei dem Thema? Es war ein Lächeln. Ein Lächeln, gefolgt von ganz viel Entspannung. Ich spürte sie in meinem ganzen Körper, in meinem ganzen System. Wow. Das hätte ich nicht erwartet. Na, da war das Thema wohl an der Zeit 😀

 

Doch das Spannende daran ist ja, das ich beobachte und feststelle, dass eben genau dieses, gerade viele Menschen spüren. Darum geht es ja. Es geht nicht um mich. Es geht darum, dass sich da draußen, für uns alle, etwas ändert. Es ist eine andere Zeitqualität. Vielleicht kannst Du für Dich in den Kosmos hinein spüren und bemerken: Ja, irgendwie verändert sich etwas.

Es sind so viele Menschen im Aufbruch. So viele bemerken gerade, dass das Leben, wie es bisher verlief, nicht mehr funktioniert. Oder sie möchten es einfach nicht mehr. Mit dem Übergang vom Fischezeitalter in das Wassermannzeitalter, bricht so viel alte Struktur weg, dass es schon mal ordentlich rumpeln kann.

 

Wir alle haben Mauern. Wir alle sind umringt von Mauern, Stacheldrähten, Wänden und Sonstigem. Wir sind zu. Wir haben zu gemacht. Wir sind so oft verletzt worden, dass der Schmerz irgendwann nicht mehr auszuhalten war. Und was tut der Mensch aus seinem Überlebenstrieb heraus? Er verschließt sein Herz. Entweder ganz oder zumindest mehr, als ein klein wenig 😉

Es war gut und wichtig, dass wir uns verschlossen haben. Denn so konnten wir weiter machen. Doch was hat es uns gebracht? Nun, zumindest bis an diesen Punkt um zu erkennen: ‚Hej, will ich wirklich so ‚verschlossen‘ sein?‘ Oder bin ich bereit, mich in meinem Tempo dem Leben zu öffnen?

Wieviel Leben entging uns, durch unsere Mauern? Wieviel haben wir nicht gespürt, aus Angst, wieder verletzt zu werden? Wie oft waren wir cool und unnahbar, um nicht angreifbar zu sein? So oft. So viele nicht geweinte Tränen. So viel unverdauter Schmerz.

Im Erkennen liegt die Heilung.

Hast Du Dich schon erkannt?

Hast Du Dir voller Mut, Deinen Schmerz angesehen? Zumindest einen kleinen Teil? 💚

Vor einiger Zeit schrieb ich folgende Zeilen:

 

Lasst die Tränen frei. Auf das die Dämme brechen. Frei von den Mauern der Angst und des Schmerzes. Lasst eine Sintflut der Liebe entstehen.

 

Was kann geschehen, wenn wir mit offenem Herzen l(i)eben? Was kann geschehen, wenn wir verletzlich sind? Ich habe mir die Frage beantwortet. Schlimmstenfalls mein ‚Gesicht‘. Und das ist nicht wahr. Denn wir alle tragen Masken. Also verliere ich nicht mein ‚Gesicht‘, wenn ich mich verletzlich zeige. Ich trage einfach nur eine Maske weniger.

Wo ist das Problem, irgendwo zu stehen und Tränen zu zeigen? Ich sage: nirgendwo. Verstehst Du? Es geht nicht um ein emotionales Drama, weil unser Ego sich gekränkt fühlt und wir uns angegriffen fühlen. Es geht um offene Tränen. Die, die einfach kullern.

Kennst Du es noch, aus Deiner Zeit als Kind? Wir Kinder sind hingefallen, hatten Schmerz, haben geweint, die Tränen kullerten und dann war wieder gut. Einfach so. Komplett frei von Drama. Und zack: wenige Sekunden später, waren wir wieder im Schlamm oder auf dem Baum.

Wann haben wir die Fähigkeit verloren, so zu sein wie die Kinder? Wofür schämen wir uns oder warum trauen wir uns nicht? Was hält uns davon ab, echt zu sein?

Lasst uns unsere ungeweinten Tränen weinen. Lasst sie uns endlich loslassen. Lasst uns mit jedem Schritt zeigen, dass Verletzlichkeit keine Schwäche ist. Wem möchten wir etwas beweisen? Uns selber? Wir wissen doch, dass die Maske der Stärke irgendwann bröckelt. Und uns selber belügen: hm, das macht irgendwie auch keinen Sinn, wenn wir doch innerlich spüren, dass dies nicht echt ist.

ღ ღ ღ

Ich möchte eine Bewegung starten: eine Bewegung der Verletzlichkeit. Wir alle sind vollkommen unperfekt. Wir alle machen Fehler. Doch können wir uns verzeihen? Bringt uns unser innerer Groll weiter? Ich sage nein. Was ist mit Dir? Bringt er Dich wirklich weiter? Sei ehrlich zu Dir. Ja, es erfordert Mut. Doch den hast Du. Denn sonst hättest Du diesen Artikel nicht bis hierhin gelesen. Hast Du den Mut, Dir einzugestehen, dass Deine vermeintliche Stärke, häufig auf innerem Groll beruht?

Diese Welt braucht seit Jahrzehnten nichts dringender, als Frieden. Wartest Du auch noch auf die Erlösung, dass der Frieden von außen kommt? Das Politiker ‚ihn bringen‘? Ich kann Dir sagen: das wird nicht passieren. Deine Hoffnung wird sich nicht erfüllen.

Doch wir können anfangen, selber Frieden zu schaffen. Stück für Stück. Mit jedem Wort des gegenseitigen Respekts. Mit jeder Handlung, die aus Liebe ausgeführt wird. Und unsere Verletzlichkeit ist uns dabei ein großartiger Wegweiser. In den Momenten, in denen wir spüren, dass wir innerlich wie ‚zu machen‘, dass wir uns verstellen, dürfen wir uns einen Marker setzen mit der Frage: warum mache ich an dieser Stelle innerlich zu? Warum habe ich Angst, mich verletzlich zu zeigen?

 

Übrigens: Verletzlichkeit bzw. sich verletzlich zeigen hat überhaupt nichts damit zu tun, dass wir nur noch weinend umher laufen. Um Gottes Willen 😀  Dafür ist das Leben viel zu kurz und viel zu schade. Das Leben, unser Leben, darf eines der Freude, der Liebe und des Friedens sein. Das Leben ist ein Tanz.

Ich meine damit, dass wir anfangen, keine neuen Mauern aufzubauen. Und die alten Stück für Stück einreißen, so, wie es für uns lebbar ist.

Das Leben darf der Spagat sein zwischen: Entwicklung und genug seiend.

Hierzu schrieb ich letztens folgenden Satz:

Zwischen ‚Ich bin genug‘ und der Fähigkeit,

sich immer wieder zu reflektieren und weiter zu entwickeln,

liegt der Schatz des JETZT.

 

ღ ღ ღ

Ich wünsche Dir von Herzen ein tolles Leben. Sei stark: sei verletzlich.

Wenn Du Unterstützung brauchst, melde Dich gerne bei mir unter info(at)sanjatuwet.com. Ich freue mich auf Dich.

Alles Liebe,

Sanja Tuwet

 

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P. P. S.: Zu dem Bild: In Japan gibt es die Tradition des ‚Kintsukuroi‘. Es ist die Kunst, zerbrochene Gegenstände, mit Liebe und Sorgfalt zu kleben. Und zwar mit Gold. / (Quelle: Internet, unbekannt)